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Alltag einer Bestatterin – gemeinsam Abschied gestalten

Ginko Blatt in weiß

Für viele Menschen ist der Tod ein Thema, das weit in der Ferne liegt. In unserer westlichen Kultur, anders wie in der östlichen, wo der Tod zum spirituellen Kreislauf des Lebens gehört, wird er häufig nur als das Ende des Lebens verdrängt und tabuisiert.

Als Bestatterin erlebe ich täglich die irdische Endlichkeit des Lebens – 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr – begleitet mich der Tod bei jedem Schritt meiner Arbeit.

Tatsächlich verändert der ständige Umgang mit ihm nicht nur meinen Blick auf das Leben, sondern lehrt mich auch, wie wichtig Feingefühl und Verständnis in den schwersten Momenten sind. Dabei steht die einfühlsame Begleitung der Trauernden im Mittelpunkt meiner Aufgabe – von der ersten Kontaktaufnahme bis zum letzten Abschied.

In diesem Artikel teile ich meine Erfahrungen als Bestatterin und gebe Einblicke in einen Beruf, der zwischen Leben und Tod, zwischen tiefer Trauer und einem würdevollen, schön gestaltetem Abschied viele verschiedene Aufgaben bereithält.

Der erste Anruf: Wenn der Tod ins Leben tritt

Mein Telefon kann zu jeder Tages- und Nachtzeit klingeln. Es ist dieser Moment, in dem für die einen die Welt stillsteht und für mich als Bestatterin die Arbeit beginnt. Der erste Anruf ist der Zeitpunkt, an dem der Tod konkret ins Leben der Hinterbliebenen tritt.

Bereitschaftsdienst 24/7 an 365 Tagen

Die permanente Bereitschaft gehört zu den anspruchsvollsten Aspekten meines Berufs. In der Bestattungsbranche unterscheiden wir zwischen zwei Arten von Bereitschaftsdienst: der Präsenzbereitschaft, bei der ich vor Ort bin, und der Rufbereitschaft, bei der ich innerhalb kurzer Zeit erreichbar sein muss.

Die ständige Verfügbarkeit bringt erhebliche Einschränkungen mit sich. Während meiner Bereitschaftszeiten kann ich keine spontanen Ausflüge machen, und muss jederzeit erreichbar sein. Besonders nachts bedeutet jeder Anruf einen unterbrochenen Schlafrhythmus. Dennoch gehört diese Bereitschaft zum Kern meiner Arbeit – denn der Tod hält sich nicht an Bürozeiten.

Tatsächlich verbringe ich jährlich etwa 2.500 Stunden allein an Wochenenden in Rufbereitschaft, zusätzlich zu den täglichen Bereitschaftszeiten nach regulärem Feierabend. Diese Zeit zwischen den Einsätzen ist zwar keine Vollarbeitszeit, erfordert aber trotzdem eine ständige mentale Präsenz.

Erste Unterstützung für Angehörigen

Wenn ein Anruf reinkommt, ist es meine erste Aufgabe, Ruhe und Sicherheit zu vermitteln. Für viele Angehörige ist dies eine völlig überwältigende Situation. Sie wissen oft nicht, was als Nächstes zu tun ist und benötigen klare Anweisungen. Während meines ersten Gesprächs erkläre ich behutsam die unmittelbaren Schritte:

  • Zunächst muss ein Arzt verständigt werden, der den Tod feststellt und die Todesbescheinigung ausstellt
  • Es besteht keine Eile bei der Überführung – Zeit für einen würdevollen Abschied ist wichtig

Besonders wichtig ist mir, den Angehörigen zu vermitteln, dass sie Zeit haben dürfen für ihre ersten Abschiedsmomente. Viele glauben fälschlicherweise, der Verstorbene müsse sofort abgeholt werden. Ich beruhige sie und erkläre, dass der Abschied von einem geliebten Menschen im häuslichen Umfeld möglich und hilfreich im Umgang mit Trauer ist.

Darüber hinaus weise ich bereits im ersten Trauergespräch vorsichtig auf wichtige Dokumente hin, die für die kommenden Tage benötigt werden. Gleichzeitig achte ich auf besondere finanzielle Situationen und informiere gegebenenfalls über Möglichkeiten der Übernahme von Bestattungskosten durch das Sozialamt.

Mein Ziel bei diesem ersten Kontakt ist es, den Angehörigen das Gefühl zu geben, nicht allein zu sein. Ich nehme ihnen organisatorische Last ab und schaffe dadurch Raum für ihre Trauer. Dieser erste Anruf ist daher weit mehr als eine geschäftliche Kontaktaufnahme – er ist der Beginn einer einfühlsamen Begleitung in einer der schwierigsten Trauerphasen.

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Zwischen Trost und Trauer: Angehörige einfühlsam begleiten

Die Begleitung der Angehörigen durch ihre Trauerreise ist der emotionalste Teil meiner Arbeit als Bestatterin. In den dunkelsten Momenten des Verlusts bin ich oft die erste Person, die für sie da ist – nicht nur als Organisatorin, sondern auch als Stütze.

Trauergespräche: Emotionale Ausnahmesituationen

Wenn Angehörige in zu uns kommen, befinden sie sich in einer emotionalen Ausnahmesituation. Ihre Gefühlswelt schwankt zwischen Verleugnung, Zorn und tiefem Schmerz. Hier ist Pietät und Empathie gefragt. Als Bestatterin bin ich nicht nur Dienstleisterin, sondern auch Trauerbegleiterin. Tatsächlich nehme ich meine Kunden sprichwörtlich an die Hand und führe sie durch den Prozess. Die richtige Balance zwischen Nähe und Distanz zu finden ist dabei entscheidend, um Vertrauen aufzubauen und den Prozess der Trauerbewältigung zu fördern.

Individuelle Wünsche für einen würdevollen Abschied erkennen

Jede Familie hat ihre eigene Abschiedskultur. Ich helfe den Angehörigen, die Bestattung nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Manchmal sind die Wünsche bereits in einer Bestattungsverfügung/-vorsorge festgehalten – ein Dokument, das die eigenen Wünsche zu Lebzeiten festhält und sowohl die verstorbene Person als auch die Hinterbliebenen entlastet. Andererseits müssen viele Familien spontan entscheiden: Welche Musik soll gespielt werden? Welche Blumen sind passend? Möchten sie eine kleine oder große Trauerfeier?

Kulturelle und religiöse Besonderheiten respektieren

Jeder Mensch und jede Kultur geht anders mit Tod und Trauerbewältigung um. Für den einen ist ein stiller Abschied von Bedeutung, für andere ein spirituelles Ritual voller Symbolik und Hoffnung. Der religiöse Glaube ist dabei oft maßgebend, wie Menschen letztlich Abschied nehmen.

Im Judentum beispielsweise wird ein Verstorbener rasch, möglichst innerhalb von 24 Stunden, beerdigt. Die Trauernden durchlaufen danach festgelegte Phasen wie die „Schiwa“ (sieben Tage intensiver Trauer) und „Schloschim“ (30-tägige Zeit der Rückkehr ins Alltagsleben).

Im Islam ist die ewige Ruhefrist wichtig – ein Grab darf niemals eingeebnet werden. Das hat für viele Angehörige eine tiefe, tröstende Bedeutung.

Für Christen steht oft die Auferstehung im Mittelpunkt, während im Buddhismus der Kreislauf von Geburt und Wiedergeburt zentral ist.

All diese Rituale, Gedanken und Haltungen zeigen mir immer wieder, wie vielfältig der Umgang mit dem Tod sein kann – und wie wichtig es ist, Menschen dort abzuholen, wo sie stehen. Trauer kennt viele Sprachen – und jede verdient Gehör.

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Der Abschiedsraum – Trauer braucht Raum und Zeit

Unser Abschiedsraum ist ein Ort des Trostes, der beliebig genutzt und ausgestaltet werden darf: Mit Blumen, Kerzen, Bildern, Dekoration und Musik. Viele Ideen zum Abschiednehmen, auch und gerade für Angehörige mit Kindern, haben wir hier schon umgesetzt.

Die Aufbahrung der verstorbenen Person lege ich besonders ans Herz, denn einen Verstorbenen nochmal anzuschauen kann oft sehr heilsam sein. Dieses bewusste Abschiednehmen ist ein wichtiger Teil der Trauerarbeit und hilft den Hinterbliebenen, den schmerzlichen Weg des Abschieds zu beschreiten.

Die stille Arbeit: Umgang mit der verstorbenen Person

Ein wichtiger Teil meiner Arbeit ist die würdevolle Versorgung der Verstorbenen. Diese stille Arbeit erfordert nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch tiefes Einfühlungsvermögen und Respekt.

Würdevolle Vorbereitung: Waschen und Ankleiden

Zunächst bereite ich alles für die hygienische Grundversorgung vor. Der Verstorbene wird behutsam entkleidet und desinfiziert. Ich entferne alle medizinischen Hilfsmittel wie Katheter oder Verbände und Pflaster. Anschließend erfolgt die Hygienische Verstorbenenversorgung nach DIN EN. Diese Norm gewährleistet eine würdevolle, fachgerechte Behandlung der verstorbenen Person.

Mit warmem Wasser und milder Seife wasche ich den Körper gründlich. Jede Bewegung erfolgt mit Bedacht – als würde der Mensch noch fühlen können. Bei Männern gehört meist eine Rasur dazu. Diese Versorgung ist nicht nur aus hygienischen Gründen wichtig, sondern auch ein Akt des Respekts.

Einbettung und letzte Handgriffe

Nach der Versorgung verschließe ich Körperöffnungen mit Watte und einem feuchtigkeitsbindenden Pulver, um ein Austreten von Flüssigkeiten zu verhindern. Besonders wichtig ist die würdevolle Gestaltung des Gesichts: Ich schließe den Mund mit einer speziellen Technik und setze kleine kontaktlinsenartige Kappen auf die Augen, damit die Lider geschlossen bleiben und ihre natürliche Augenform beibehalten.

Anschließend kleide ich die verstorbene Person mit den von Angehörigen ausgewählten Kleidungsstücken ein – das kann ein Lieblingskleid sein, oft ist es aber einfach schöne und bequeme Kleidung. Mit sanften kosmetischen Maßnahmen kann ich zudem Hämatome oder Behandlungsspuren kaschieren. Tatsächlich geht es darum, dem Verstorbenen ein möglichst natürliches Aussehen zu verleihen.

Angehörige dürfen den Prozess gerne begleiten

Immer mehr Familien möchten bei diesem intimen und persönlichen Prozess dabei sein. Diesen Wunsch unterstütze ich ausdrücklich. Die Mitarbeit beim Waschen oder Ankleiden kann für Angehörige therapeutisch wirken – ein letzter liebevoller Dienst für den geliebten Menschen. Oft sind es gerade diese Momente der aktiven Beteiligung, die den Trauerprozess unterstützen und einen gesunden Abschied ermöglichen.

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Persönliche Grenzen und Selbstfürsorge

Täglicher Kontakt mit dem Tod hinterlässt Spuren. In einem Beruf, der von emotionalen Extremsituationen geprägt ist, wird Selbstfürsorge für mich als Bestatterin zur Überlebensstrategie. Besonders fordernd sind Todesfälle von Kindern, Suizide oder der Tod von nahen Bekannten.

Ich habe gelernt, bewusst Grenzen zu setzen. Dazu gehört auch, Aufgaben zu delegieren. Meinen Ausgleich finde ich in langen Spaziergängen und Zeit mit Familie und Freunden

Ein Beruf mit vielen Emotionen

Ich liebe meine Arbeit. Immerhin bin ich, seit ich 15 Jahre alt bin, in der Bestattungsbranche tätig. Für mich stand damals schon fest, dass ich einmal Bestatterin werden möchte.

Meine Arbeit als Bestatterin hat mich gelehrt, dass der Tod zum Leben gehört. Täglich erlebe ich, wie wichtig einfühlsame Begleitung und würdevoller Umgang in den schwersten Momenten sind.

Der Tod gehört zum Leben

Jeder Tag aufs Neue zeigt mir, wie kostbar und endlich unser Leben ist. Diese Erkenntnis hat mich nicht nur zu einem bewussteren Umgang mit meiner eigenen Zeit geführt, sondern auch dazu, anderen dabei zu helfen, rechtzeitig vorzusorgen. Deshalb bieten wir eine Vorsorgemappe an, in der wichtige Punkte zur eigenen Lebensfeier festgehalten werden können – eine große Entlastung für einen selbst und für Angehörige in der späteren Trauerphase weniger Entscheidungen treffen zu müssen.

Orangener Kasten als Schmuckelement

FAQs

Wie gehen Bestatter mit der emotionalen Belastung ihres Berufs um?

Bestatter entwickeln oft persönliche Strategien zur Bewältigung emotionaler Belastungen. Dazu gehören Rituale wie das Aufschreiben von Gedanken, ausreichend Schlaf, Sport und bewusste Auszeiten. Viele legen auch Wert auf eine klare Trennung zwischen Beruf und Privatleben.

Was passiert mit dem Verstorbenen beim Bestatter?

Der Verstorbene wird zunächst hygienisch versorgt. Dies beinhaltet das behutsame Waschen des Körpers, die Entfernung medizinischer Hilfsmittel, das Verschließen von Körperöffnungen und gegebenenfalls kosmetische Maßnahmen. Anschließend wird der Verstorbene in die von den Angehörigen ausgewählte Kleidung gekleidet.

Können Angehörige bei der Vorbereitung des Verstorbenen dabei sein?

Ja, viele Bestatter ermutigen Angehörige sogar dazu, bei der Vorbereitung des Verstorbenen anwesend zu sein oder mitzuhelfen. Diese aktive Beteiligung kann therapeutisch wirken und den Trauerprozess unterstützen.

Wie lange kann ein Verstorbener zu Hause aufgebahrt werden?

Das Bayerisches Bestattungsgesetz (BestG) schreibt keine starre, kurze Frist für den Verbleib zu Hause vor. Stattdessen legen oft die Kommunen bzw. die örtlichen Ordnungsbehörden die genauen Fristen fest.

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